Heinrich LangwiedHeinrich Langwied, 1804 -1879, war ein Saarbrücker Bürger aus der Katholischen Kirchengemeinde St. Johann.

Er ist am 16. Juli 1804 in St. Johann geboren, das damals unter Verwaltung des nach-revolutionären Frankreich stand. Seine Geburtsurkunde in französischer Sprache weist daher die Zeitangaben des Kalenders der ersten französischen Republik aus. Gestorben ist er am 12.05.1879 in St. Johann.

Von seinen Eltern haben er und seine beiden Schwestern ein beträchtliches Vermögen geerbt. Er selbst übte eine Tätigkeit als Maurer und Gastwirt aus, war also ein selbständiger Unternehmer. Da er kinderlos blieb, vermachte er in einer Zeit mit großen sozialen Umwälzungen und Nöten sein Vermögen der Katholischen Kirchengemeinde St. Johann mit der Auflage, ein "Waisen- und Krankenheim für die katholischen Einwohner der Stadt St. Johann" einzurichten. Sollten die finanziellen Mittel es gestatten, sollte "auch ein Versorgungshaus für Altersschwache" errichtet werden. Später ließ Heinrich Langwied erkennen, daß ihm die "Errichtung einer Schule für Mädchen unter Leitung von Ordensschwestern" sehr am Herzen liege.

Den Entschluß zu diesem Vermächtnis soll er nach Überlieferungen anläßlich einer Pilgerreise in das Heilige Land gefaßt haben. Das Porträt zeigt ihn im zeitgenössischen Pilgerrock.

Offenbar hat Heinrich Langwied noch darüber gewacht, daß seine 1865 errichtete Stiftung innerhalb des Vermögens der Katholischen Kirchengemeinde selbständig blieb. Erst unter dem drohenden Zugriff des nationalsozialistischen Regimes wurde diese Trennung 1936 aufgehoben. Mit Errichtung der selbständigen Stiftung wurde 2005 dem Willen des Stifters gefolgt.

Als die Stiftung 1883 im ehemaligen Wohnhaus der Familie Langwied ihre Tätigkeit aufnahm, waren von Anfang an die Schwestern des Heilig-Geist-Ordens aus Koblenz prägend beteiligt. Im Laufe der langen Zeit brachten sie das zustande, was heute die Stiftung Langwied ausmacht. Unter enger Anbindung an die Katholische Kirche hat sich in St. Johann aus kleinen Anfängen eine anerkannte soziale Einrichtung der Alten- und Jugendhilfe entwickelt. Manches, was heute wie selbstverständlich in der sozialen Arbeit als Instrument eingesetzt wird, war schon vor mehr als 120 Jahren in der Stiftung angelegt: die erste "Sozialstation" in Saarbrücken, eine "Schülerhilfe" mit besonderer Mädchenförderung, medizinische Hilfe für eine damals verarmte Bevölkerung, die die industrielle Revolution aus den umliegenden Landesteilen in die Stadt verschlug und vielfach familiär entwurzelte.

Mehrmals hat die Stiftung ihr Zentrum in der Stadt verlagert. Der Anfang war in der Mainzer Strasse an der Ecke zur heutigen Rosenstrasse, im Haus der Familie Langwied, das bald zu klein wurde. Die Mädchenschule und der Kindergarten fanden Platz im Marienheim, Mainzer Strasse 10, dem heutigen Hotel "Domizil Leidinger". Bereits 1892 entstand auf dem Gelände des heutigen Langwiedstiftes in der Bismarckstraße ein neues Krankenhaus und Altenheim mit einer Kapelle.

Das Gebäude wurde 1975 abgerissen, um Platz zu schaffen für den Neubau. Die Fenster der Kapelle zieren heute noch die neu errichtete Kapelle.
Und das damalige Krankenhaus? Es wurde 1929 an den Caritasverband Saarbrücken übergeben, der es auf dem Schenkelberg als "Heilig-Geist-Krankenhaus" bis 1986 weiterführte - alten Saarbrückern immer noch in bester Erinnerung. Der Künstler Ernst Alt sorgte dafür, daß das von ihm gefertigte Altarkreuz aus der Kapelle dieses Krankenhauses in die des Langwiedstiftes überführt wurde. So schloss sich ein Kreis von Entstehen, Vergehen, Verändern und Bewahren.

Im Juli 2004 feierte die Stiftung den 200. Geburtstag von Heinrich Langwied. Rechtzeitig zu diesem Datum haben die Verantwortlichen der Kirchengemeinde und der Stiftung die bisher rechtlich unselbständige Stiftung in die Form einer kirchlichen Stiftung bürgerlichen Rechts umgewandelt. Damit wird auch dem Wunsch des Stifters Respekt gezollt, seinem Werk Selbständigkeit und Sicherheit zu geben.

Die Broschüre "Heinrich Langwied in seiner Zeit - eine sozial-historische Betrachtung" von Dr. Susanne Nimmesgern können Sie gerne bei uns anfordern.

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